Gehörlosendorf Turbenthal

von Reto Bühler

Bericht über die Weiterbildung des Therapiehund‐ Vereins Bodensee im Gehörlosendorf Turbenthal vom 19. August 2016.

Mehrere Mitglieder unseres Vereins folgten der Einladung unseres Vorstandsmitglieds Käthi Ruppli zu einer Besichtigung des Gehörlosendorfes Turbenthal am Freitag, dem 19. August 2016.

Pünktlich um 13:30 Uhr besammelten wir uns bei schönstem Wetter auf der Wiese hinter dem Hauptgebäude. Die meisten von uns natürlich in Begleitung ihres ausgebildeten Therapiehundes.

Ebenso pünktlich erschienen auch einige Bewohner des Gehörlosendorfes, welche bereits ihr Interesse an unseren Hunden zeigten.

Unsere anwesenden Therapiehunde zeigten sich in den vielfältigsten Grössen und Rassen – von winzig bis zum „riesigen“ Schäferhund. Bereits jetzt zeigten einige BewohnerInnen ihre Begeisterung für unsere Tiere so sehr, dass wir auf den Zeitplan bestehen mussten : die 1. Hälfte unserer Team-Mitglieder durfte mit Reto Casanova, Leiter der Stiftung, auf die Führung des Gehörlosendorfes.

Die „führerlosen“ Hunde wurden währenddessen durch die zurückbleibenden VereinskollenInnen betreut und konnten mit den anwesenden BewohnerInnnen des Gehörlosendorfes weiter kuscheln, spielen und Vertrauen schaffen.

Auf der Führung durch die diversen Häuser, Arbeitsräume und Werkstätten erhielten wir Einblick in das Leben und Werken der Bewohner des Gehörlosendorfes Turbenthal. Ihr Schaffen, Leben und Wohnen dürfen sie je nach ihren Neigungen und Können individuell leben und zeigen.

Dazu gehören die fünf Bereichsleitungen mit den Bereichen Wohnen, Pflege/Gesundheit, Hotellerie, Betriebe (Gärtnerei, Weberei, Schreinerei, Metallwerkstatt, etc. ) sowie der Verwaltung.

Als Institution mit Vorzeigecharakter besteht die Leitung des Gehörlosendorfes auch darauf, dass jeder Bewohner einen ganz eigenen Wohnbereich sowie der eigenen, persönlichen Nasszelle erhält. Dazu ist die Verwaltung auch bereit, bei führenden Sozialversicherungen ein Veto oder finanzielle Mehrleistungen einzubringen, wenn diese meinen, die Bewohner müssten sich ein Badezimmer zu mehreren teilen.

Während der Führung und auf der Spielwiese wurde uns je eine Gebärden-Dolmetscherin zur Seite gestellt. Dies, da einige BewohnerInnen schwer verständlich sprechen und wir Hörenden der Gebärdensprache nicht mächtig sind.

Beide Dolmetscherinnen hatten zeitweise sehr viel zu übersetzen, was sie sehr ruhig, nett und souverän  machten. Hiermit noch ein grosses Dankeschön an die beiden Damen!

Nachdem auch die 2. Gruppe unserer Vereinsmitglieder die Führung abgeschlossen hatte, erhielten wir Kaffee und Kuchen, spendiert vom Gehörlosendorf Turbenthal.

Vor der Cafeteria versammelten sich an diesem Freitagnachmittag, kurz vor Feierabend, noch weitere BewohnerInnen des Gehörlosendorfes.

Unsere Präsidentin, Ruth Gräflein, stellte nun den Therapiehunde-Verein Bodensee vor und erklärte den Weg und die Ausbildung, welche die Hunde/ Halter absolvieren, bevor sie als eingespieltes, sicheres Therapiehunde-Team Kinder, Schulen, Altersheime, Wohngruppen, Kinderheime, Spitäler oder Einzelpersonen im Namen des Therapiehunde- Vereins Bodensee besuchen.

Auch unser Führer und Leiter der Stiftung, Reto Casanova, bedankte sich für unser Kommen und erwähnte, dass es sehr erfreulich wäre, wenn es nach unserer Vorstellung zu regelmässigen Kontakten mit interessierten BewohnerInnen käme.

Im Anschluss durften unsere Hunde nochmals mit einigen Bewohnern spielen und sich streicheln lassen.

Nach der Verabschiedung vom Gehörlosendorf Turbenthal durften wir im Garten bei Käthi Ruppli in Bichelsee einen gemütlichen Abend bei Salaten, Grilladen und Desserts geniessen. Aufgrund der Hitze wurde auf den geplanten Spaziergang verzichtet, die Hunde durften sich im schönen Garten austoben, im Brunnen baden und miteinander spielen.

Alle hatten etwas zum Buffet mitgebracht und damit zum Gelingen dieses schönen Sommerabends beigetragen!

Allen Teammitgliedern und insbesondere an Käthi Ruppli fürs Organisieren dieser Weiterbildung und für den gemütlichen Ausklang in ihrem Garten ein rieesiges DANKE!

Persönliche Anmerkung:

Sehr, sehr eindrücklich war für mich einmal mehr, wie sicher und gefestigt diese Therapie- Hunde sind.

Folgende Beobachtungen brachten mich zum Staunen:

  • obwohl sich untereinander nicht alle Hunde kannten, kamen gleich bei der ersten Begegnung auf der Wiese, bei der sich Hunde und Bewohner des Gehörlosen-Dorfes zum ersten Mal überhaupt trafen, alle tadellos miteinander aus. (Dies ist eine Situation, die genau so an den Aufnahmeprüfungen simuliert wird.)

Alle, die schon auf „normalen“ Hundeübungsplätzen waren, wissen, dass es nicht immer so friedlich abläuft.

  • während annähernd drei Stunden Präsenz zeigten die Hunde ununterbrochen gutes Benehmen und dass sie freudig auf die unterschiedlichsten menschlichen Kontakte eingehen und diese auch erwidern.
  • Bei Käthi zu Hause am Buffet mussten die Hunde kaum beaufsichtigt werden, alle fügten sich anstandslos in die friedliche Gartengesellschaft ein. Da während des ganzen Abends kaum ein Bellen zu hören war, haben die Nachbarn von Käthi wohl gar nicht mitbekommen, wieviele Hunde sich in ihrem Garten tummelten.

Christa Mazenauer

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